drüben
1995
–
2001
Schlimme Witze hinter sonnen-brillen
Berlin-Friedrichshain, AlTglienicke, Neukölln, Neapel
TÄGLICH UM 07 Uhr 07 nehme ich den Bus und fahre nach Westberlin. Nach Neukölln. Für mich ist das die Wende. Alles neu. Die Albert-Einstein-Oberschule überzeugt mich mit einem großen, grünen Schulhof, drei Turnhallen und meine Eltern mit ihrem guten Ruf. Um einen Platz zu bekommen, muss ich mich für Italienisch als zweite Fremdsprache entscheiden. Heute ist die Schule durchgehend zweisprachig, wir waren Versuchskaninchen oder: die Pioniere.
Der Sound an der Schule ist roh, es zählt Verbündung und Hierarchie. Gut behütete Bürgerkids aus Britz und Rudow mit dicken Ärschen in Baggypants, Air Jordans am Fuß, die Judenwitze reißen, weil das Tabu ist und geil kickt. Ich lese Bret Easton Ellis und Oscar Wilde.
Manchmal sind die besten Entscheidungen, die die man nicht getroffen hat. Italienisch ist ein Glücksfall. Madonna mia! Schüleraustausche mit einer Klasse aus Trient und einer aus Castellamare di Stabia im Golf von Neapel. Im Jahr 2001 wechsle ich auf eigenes Betreiben für ein Halbjahr nach Italien. Neben Italienisch lerne ich jetzt: Napoletano.